In dieser Jahreszeit ist Feldsalat ein beliebtes Grün für Grüne Smoothies und natürlich auch viele ansprechende Salatzubereitungen. Immer wieder erreichen mich Fragen von Menschen, die verunsichert sind, ob denn Feldsalat und andere nitrathaltige Gemüse wie Rote Beete eventuell aufgrund des Nitratgehalts gesundheitsschädlich sind.

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Bevor ich ins Detail gehe, hier die Kurzfassung meiner Antwort:

Nitrat ist gut für die Gesundheit wenn es aus Gemüse stammt.

Nitrat ist chemisch gesehen NO3, ein Stickoxid. Stickoxide sind dann giftig, wenn sie eingeatmet werden. Nun kann man auch an Wasser in der Lunge sterben, genau das passiert beim Ertrinken, aber daraus kann man keine Schlüsse ziehen, wenn es um die gesundheitlichen Auswirkungen des Wassertrinkens geht. Wo eine Substanz wirkt, ist manchmal sehr wichtig für ihre gesundheitlichen Auswirkungen. 

Stickoxide wurden in der Medizin erst in den 90er Jahren eingehend erforscht, als man feststellte, dass z.B. Stickstoffmonoxid im Körper ein wichtiges Signalmolekül für das Herz-Kreislaufsystem ist und auch für das unspezifische Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Im Jahr 1998 bekamen Robert Furchgott, Ferrid Murat und Louis Ignarro den Medizin-Nobelpreis für ihre Forschungen zu den wichtigen Wirkungen des Stickstoffmonoxids im Körper. 

In der ersten Phase des Schlafs schüttet der Körper viel Stickstoffmonoxid aus, um eventuelle Pathogene wie Viren, Bakterien, Pilze etc. zu oxidieren und damit unschädlich zu machen. Wenn man einen beginnenden Infekt spürt und sich dann „gesund schläft“ ist Stickstoffmonoxid das Molekül, das dies ermöglicht.

Übrigens ist diese wichtige Immunfunktion der Grund, warum ich es für sinnvoller halte, vor dem Schlafen 5-http und nicht Melatonin einzunehmen. Melatonin wird vom Körper nämlich nicht zum Einschlafen gebraucht, sondern erst 30 bis 45 Minuten nach dem Einschlafen in großer Menge produziert, um dann als Antioxidant die pro-oxidative Wirkung des Stickstoffmonoxid zu neutralisieren. Wenn man mit einem hohen Melatoninspiegel schlafen geht, wird diese Wirkung sofort einsetzen und Stickstoffmonoxid kann seine wichtige Wirkung nicht ausüben! 

Der Körper braucht die richtigen Wechsel zwischen pro-oxidativen und anti-oxidativen Effekten. Deshalb ist ein Produkt wie Psyche – Hormone von OIAIO vor dem Schlafen ideal, um dem Körper 5-HTP zu geben, so dass er in Eigenregie daraus Serotonin und Melatonin macht, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist.

Zurück zum eigentlichen Thema

Nitrat ist einfach ein anderes Stickoxid und kann sich im Körper in Nitrit umwandeln, N02, also Stickstoffdioxid. Beide Substanzen sind gut für die Gesundheit und haben u.a. sehr kraftvolle anti-entzündliche Wirkungen. Zwei Beispiele dazu:

  • An der Uniklinik in Würzburg untersuchte man die Wirkung von Nitrat mit Patienten, die von chronischen Zahnfleischentzündungen betroffen waren. Eine Gruppe bekam einen handelsüblichen Gemüsesaft, der viel Rote Beete und dadurch viel Nitrat enthielt. Für die Kontrollgruppe wurde das Nitrat aus dem Gemüsesaft entfernt. Nach acht Wochen wiesen die Teilnehmer die Gruppe, die den nitrathaltigen Saft täglich trank, einen deutlichen Rückgang der Entzündungen auf. In der Kontrollgruppe, die den gleichen Saft ohne Nitrat bekam, gab es keine Veränderungen in der Schwere der Entzündungen.
  • Viele Untersuchungen zum Thema Darmgesundheit haben ergeben, dass Nitrat ein Grund für die gesundheitlich positiven Wirkungen der Rote Beete ist. Nitrat reduziert Darmentzündungen und hat positive Wirkungen auf das Mikrobiom.

Aber warum gibt es dann Warnungen vor Nitrat?

Nitrat kann im Magen zu Nitrosaminen reagieren, die nachweislich krebserregend sind. Diese Reaktion findet unter zwei Voraussetzungen statt:

  1. Wenn im Magen kein Vitamin C vorhanden ist. Die Präsenz von Vitamin C unterbindet die Reaktion von Nitrat zu Nitrosaminen.
  2. Wenn viel Eiweiß und Salz im Magen zusammen mit Nitrat vorhanden ist.

Einfach ausgedrückt:

Der Nitratgehalt in Wurstwaren, gepökeltem Fleisch etc. ist tatsächlich problematisch. In diesen Produkten findet sich Eiweiß, Salz aber eben kein Vitamin C.

Feldsalat, Rote Beete und andere nitrathaltige Gemüse weisen viel Vitamin C und fast kein Eiweiß auf. Selbst wenn ich etwas Eiweiß im Grünen Smoothie oder im Salat oder im Gemüsegericht durch andere Zutaten habe, würde der Vitamin C-Gehalt die Bildung von Nitrosaminen verhindern. In Bezug auf Grüne Smoothies kann also Entwarnung gegeben werden, denn wenn sie ordentlich Nitrat enthalten, freuen sich Zahnfleisch, viele freundliche Darmbakterien und wahrscheinlich unzählige andere Bereiche des Körpers!

Bild: FOODISM360 on Unsplash

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