Gesundheit, Harmonie des individuellen Menschen mit der Natur, innerer Frieden und ein tiefes Ruhen in sich selbst – diese und viele andere Beschreibungen ausgesprochen wünschenswerter Qualitäten werden gerne als natürlich bezeichnet. Offenbar haben wir Menschen eine Intuition, die uns sagt, dass es natürlich ist, glücklich zu sein.

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Jean Paul Sartres Ausspruch „wir leben verloren in einem feindseligen Universum“ mag eine Gemütsverfassung beschreiben, mit der auch viele von uns gelegentlich Bekanntschaft gemacht haben, aber das Streben nach Gesundheit und Glück kommt von dem tieferen inneren Wissen, dass unser natürlicher Zustand etwas Besseres zu bieten hat. Wenn wir also in dieser Hinsicht noch Luft nach oben haben, ist es wahrscheinlich so, dass unser natürlicher Zustand überlagert wird und sich dadurch noch nicht ganz entfalten und zeigen kann.

Natürliche Bewegung

Unser Körper verfügt über eine großartige Fähigkeit, die auf ihn wirkenden Kräfte für seine eigenen Bewegungen zu nutzen. Doch in der Praxis sieht man, dass die meisten Menschen mit den auf sie einwirkenden physikalischen Kräften wie z.B. der Schwerkraft, eher kämpfen als sie zu nutzen. Stehen, Gehen, Sitzen, Aufstehen, etwas Heben oder Tragen, all dies können potenziell Möglichkeiten sein, durch die der Körper sich neu belebt, von der Schwerkraft und den eigenen Aufrichtungsreflexen in für die jeweilige Anforderung passende Position gebracht. Oder aber solche Anforderungen werden einfach mit Kraftaufwand gegen die Schwerkraft, mit isoliertem Muskeleinsatz statt einem harmonischen Ganzkörper-Zusammenspiel bewältigt. In diesem Fall spüren wir dann immer wieder Steifheit, Erschöpfung, Verspannungen, aber auch Ungeduld und emotionale Gereiztheit, weil etwas in unserem Körper registriert, dass das Leben uns zu viel Kraft kostet. Wir brauchen dann nicht immer unbedingt mehr Kraft – eine bessere Art, unsere Kraft einzusetzen wäre in vielen Fällen sinnvoller.

Eine wesentliche Basis der Gesundheit ist innere Kraft

Innere Kraft ist ein Ausdruck aus den inneren Kampfkünsten und den Taoistischen Gesundheitslehren. Auch wenn der Ausdruck „innere Kraft“ von vielen Menschen mit seelischer Kraft assoziiert wird, so gibt es eine ganz wesentliche körperliche Komponente:

Die Fähigkeit, eigene Bewegungen als Flow, als müheloses Zusammenspiel aller Bereiche des Bewegungsapparats, entstehen zu lassen.

Diese Art von innerer Kraft wird mit zunehmendem Alter stärker, wenn wir einen sinnvollen Übungsweg praktizieren, der uns immer wieder neu darin schult, Blockaden im freien Bewegungsfluss zu erkennen und loszulassen, anstatt mit erhöhten Kraftaufwand dagegen zu gehen. 

Wenn wir diesen Aspekt von innerer Kraft zu wenig beachten und zu wenig kultivieren, werden wir einen großen Aufwand für unsere Gesundheit fahren müssen. So erlebe ich es in der Praxis immer wieder, dass Menschen mit der Schulung in innerer Kraft viel besser von gesunder Nahrung profitieren. Wenn dagegen die Ernährung immer weiter optimiert wird, aber die Bewegungsgewohnheiten des Menschen sich nicht fundamental weiter entwickeln, wird eine unbefriedigte Erfahrung entstehen, nach dem Motto „wenn ich mich so gut ernähre, warum fühle ich mich dann nicht so, wie ich mich gerne fühlen würde?“

Wie finde ich zur inneren Kraft?

Achtsamkeit für den eigenen Körper ist natürlich eine Basis für die Reise ins volle Potenzial der inneren Kraft. Viele Bewegungskünste zeigen Teilaspekte innerer Kraft auf, wie Taiji, Yoga je nachdem, wie es unterrichtet wird, Qigong, Bagua, manche Formen von Faszientraining oder Spiraldynamik.

Bei allen guten Aspekten, die in diesen Ansätzen zu finden sind, fehlt ihnen auch ein entscheidendes Element: Man kann diese Arten von Bewegung mit äußerer Kraft durchführen und wird das nur teilweise an der Bewegung und daran, wie sie sich anfühlt, merken. Ob man durch Hatha Yoga mit der inneren Haltung des Loslassens in eine schwierige Yoga-Haltung findet oder einfach deshalb, weil man früher Turnen als Leistungssport betrieben hat, lässt sich am Einnehmen der Haltung kaum erkennen.

Um ein Erkennen der eigenen Blockaden der inneren Kraft, der tiefsten Natürlichkeit der Bewegung direkt möglich zu machen, vor Jahrhunderten Pioniere der inneren Kampfkünste einen Ansatz entwickelt, der in dieser Hinsicht einzigartig ist. Im Taoismus nennt man diesen Ansatz Jing Qi, er hat jedoch auch Entsprechungen in anderen traditionellen Systemen.

Der direkte Weg in die innere Kraft ist die Praxis der Jing Qi-Kultivierung.

Dieses seltene Juwel der Taoistischen Bewegungskunst ist einfach deshalb so effektiv, weil es die Versuche, mit disharmonischer, rein äußerer Kraft zu arbeiten, vollkommen klar aufdeckt und den Körper spüren lässt, dass man sich damit keinen Gefallen tut. Wer bereit ist, sich dieser Entdeckungsreise zu stellen, kann in ein bis zwei Jahren Schritte in die innere Kraft gehen, die mit anderen Wegen wesentlich länger dauern würden oder gar nicht erreichbar wären. Damit ist eine Grundlage gelegt, die eine Rückkehr zu einem natürlichen, ursprünglichen Lebensgefühl deutlich erleichtert und fördert. Ernährung, jede Art von psychologischer Arbeit an sich selbst, Selbsterforschung, Meditation – all dies kann auf einem gut bereiteten Fundament erlebt werden, wenn Jing Qi-Kultivierung zu einem Baustein des eigenen Lebens geworden ist.

Weitere Informationen dazu gibt es hier: 

Selbstakzeptanz kann man nicht machen, sie kann aber entdeckt werden

„Um zu sein, wer du bist, musst du niemanden um Erlaubnis fragen“

Raphael, Autor und Lehrer der Advaita-Tradition

Selbstakzeptanz wird immer wieder thematisiert, weil es offensichtlich ist, dass man einen Krieg gegen sich selbst nicht gewinnen kann. Aber authentische Selbstakzeptanz ist keine mentale Haltung, die man willentlich einnehmen kann. Sie ist ein völlig natürlicher Zustand, der sich offenbart. Eine mentale Haltung der Selbstakzeptanz ist ein gut gemeinter Versuch, aber mentale und emotionale Zustände kommen und gehen. In ihnen Dauerhaftigkeit finden zu wollen, ist wie der Versuch, die Liegestühle auf der Titanic schöner zu platzieren.

An dieser Stelle möchte ich auf die Arbeit von Gunnar Gressl hinweisen, der mit RASA-Energieübertragungen und seiner ganz eigenen Art, Menschen in innerem Wachstum zu begleiten, etwas sehr Wertvolles anzubieten hat. Wenn es um authentische Selbstakzeptanz geht, ist Gunnar ein sehr authentisches Beispiel. Ich selbst und viele meiner Freunde und Kursteilnehmer haben von seiner Arbeit immens profitiert. An dieser Stelle ein kurzer Text von Gunnar, der das Thema wunderbar abrundet:

„Es ist so tief eingebrannt in uns! Die Idee so werden zu wollen, so sein zu wollen wie jemand Anderer. Insgeheim oder auch ganz offen vergleicht man sich, seine Handlungen, Emotionen, Gedanken und Taten mit dem was man so über Andere gehört, gesehen oder gelesen hat. Wie würde Jesus handeln, was würde Buddha denken, was würde ein Ramana sagen. Oder du willst genauso erfolgreich und reich werden wie Einer oder Eine die in deiner Idol-liste ganz oben steht. Handeln wie Er, aussehen wie Sie. So werden wie Die.

Also in mir war das so krass tief eingebrannt diese Idee. Zum Teil lief das auch sehr unbewusst ab. Und für eine Lebensphase musste das auch so sein, war auch gut und richtig. Und damit meine ich auch nicht, dass man nicht von Anderen lernen kann und soll. Keineswegs.

Aber irgendwann wurde mir klar, Hey, ich werde nur glücklich sein, ich werde nur zufrieden sein, ich werde mir selbst nur dann auf Augenhöhe in die Augen sehen können wenn ich einfach ich selbst bin.

Man glaubt vielleicht, ja das ist ja klar oder „eh logisch“, mach ich ja, den Weg geh ich ja, aber insgeheim, unbemerkt, so halb-bewusst vergleicht man sich dennoch … mit der Erleuchtung eines Weisen, mit dem Erfolg irgendeines Menschen, mit der äußerlichen Schönheit, dem gesunden und tollen Lifestyle oder den nach außen getragenen wohlbedachten Charakterzügen.

Ich kenn diese Dynamik sehr gut, durchschaue sie immer tiefer und kann mich mehr und mehr so, genau so, annehmen wie ich bin. Denn DAS ist das Ergebnis wenn dieses so tief in uns eingebrannte VERGLEICHEN endet.

Das Leben „will“ Dich genau so wie du bist. Zu 100% genau so wie du bist. Dich in deiner Einzigartigkeit, genau so wie du jetzt und weiterhin bist. Yeah!“

Bild: Sergey Pesterev on Unsplash

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